Mittwoch, 22. August 2012

Kontroverse um Katherina


Ψ Katherina Reiche ist CDU-Politikerin, Staatssekretärin im Umweltministerium und Mitgliedin im Bundestag ... und sie hat in der BILD-Zeitung einige sehr kontroverse Äußerungen von sich gegeben, die vielen Menschen aus gutem Grund so gar nicht in das eigene Bild einer vielfältigen und toleranten Gesellschaft passt. Die »CDU-Reiche« (so bezeichnet sie die BILD!) drückte sich klar aus:
Unsere Zukunft liegt in der Hand der Familien, nicht in gleichhttp://www.blogger.com/img/blank.gifgeschlechtlichen Lebensgemeinschaften. Neben der Euro-Krise ist die demografische Entwicklung die größte Bedrohung unseres Wohlstands.

(HIER der ganze BILD-Online-Artikel)

Ψ Und wie das so ist - die Reaktion kam prompt: Queere Menschen aus allen Teilen des Landes protestierten auf Katherina Reiches Facebook-Seite, die daraufhin sogleich zum Netz genommen wurde. Inzwischen gibt es Seiten wie »Keine Zukunft mit Katherina Reiche« (Wo ein offener Brief erschien) und »Rücktritt von Katherina Reiche« (wo mit einer Online-Petition der Rücktritt der Politikerin gefordert wird). Das Newsportal queer.de berichtet in zwei Artikeln über die Aussagen von Frau Reiche (HIER) und ihre Äußerungen zu dem von ihr ausgelösten »Shitstorm (HIER). Auch die Süddeutsche Zeitung greift online die Thematik auf und berichtet zudem über einen Vorschlag von Frau Leutheusser-Schnarrenberger (HIER), während sich nach und nach ihre CDU-KollegInnen von Frau Reiches Äußerungen distanzieren.

Ψ Auch ich habe mich heute geäußert, in einer E-Mail an Frau Reiche:
Sehr geehrte Frau Reiche,

ich schreibe diese Zeilen mit gemischten Gefühlen.

Als queere LGBTI Aktivistin empfinde ich Ihre jüngeren Ausführungen, die Gleichbehandlung homosexueller Menschen stelle eine Gefahr für die Struktur unserer Gesellschaft dar, als ausgrenzend und intolerant, als diskriminierend und abschätzig, ja sogar als offensiv.

Als Mitglied einer weltweiten Bewegung, die spirituelle Wurzeln besitzt und sich seit über 30 Jahren für Werte wie Vergebung und Verständnis einsetzt, kann und will ich mich jedoch nicht einfach nur in eine einfache »Ich bin gegen Katherina Reiche«-Position begeben. Vielmehr folgt aus meinem diesbezüglichen Bewusstsein das Bedürfnis, Ihnen hilfreich zur Seite stehen zu wollen.

Ihre Aussagen sorgen für Leid, Verwirrung, Verärgerung und auch Angst. Queere Menschen wurden - nicht zuletzt im Dritten Reich und in den Jahrzehnten danach - aufgrund ihrer Lebensweise und Gefühle, die von "normalen" (auf intrumentell-patriarchischen Denkstrukturen basierenden) Definitionen abweichen, verfolgt. Mit Ihren Äußerungen untergraben Sie das Gefühl der Sicherheit queerer Menschen innerhalb der bundesdeutschen Gesellschaft, Sie verursachen Angst vor Benachteiligung und Sie erinnern zu Unrecht verfolgte und bestrafte Menschen an erlittenes Leid. Das ist für ein gedeihliches Miteinander in einer Gesellschaft nicht hilfreich.

Die Reaktionen auf Ihre Aussagen sind klar und eindeutig: Bereits jetzt ist klar erkennbar, dass die Kritik nicht an ihrem Verhalten (ihren Äußerungen) halt macht, sondern (wie das in politischen Strukturen durchaus üblich ist) sich auch auf ihre Person erstreckt. Sie werden inzwischen als Person abgelehnt, weil Sie unvorteilhafte, ausgrenzende und leidverursachende Aussagen getroffen haben.

Ich möchte Ihnen daher folgenden (wirklich gut gemeinten und für alle Beteiligten vorteilhaften) Rat geben: Bitte distanzieren Sie sich von Ihren Aussagen. Damit beruhigen Sie die Gemüter derjenigen, die sich angegriffen und verletzt fühlen. Damit reduzieren Sie den Verlust Ihres Ansehens. Damit beugen Sie nachteiligen Auswirkungen Ihrer Äußerungen auf das Ansehen Ihrer gesamten Partei vor. Letztlich aber kommen Sie mit sich selbst ins Reine, denn unter christlich-religiösen Gesichtspunkten entspricht Ihr Handeln nicht im Mindesten dem Geiste und der Aussage des Neuen Testaments, in dem zum Beispiel Jesus sich nicht nur für die Gleichbehandlung von Menschen außerhalb der Gesellschaftsnorm eingesetzt hat, sondern diese mitunter sogar bevorzugt behandelt hat, um seine Umgebung zum Umdenken zu bewegen.

Ich hoffe sehr, dass Sie diesen Schritt gehen, der kein »Zu Kreuze Kriechen« ist, sondern ein hilfreicher und für alle vorteilhafter Schritt in die richtige Richtung ist - hin zu einem harmonischen Miteinander ohne Benachteiligungen.

Bei weiteren Fragen stehe ich Ihnen jederzeit gerne zur Verfügung.

Ihre

Schwester Aura

--

Schwester Aura Scortea Beneficia,

Vollordinierte Schwester der Perpetuellen Indulgenz zu Berlin,
Transapostolische Schwester der Abtei zum Westfälischen Frieden in Berlin,
Gründerin der Kongregation der Perpetuellen Indulgenz zu Berlin,
Mitglied in der weltweiten Schwesternschaft der Perpetuellen Indulgenz,
geweiht der Verkündung universeller Freude und der Tilgung verinnerlichter Schuldgefühle,
aktiv im Gemeindedienst und öffentlich manifestierend in der Queeren Gemeinde.

E-Mail: schwester_aura@yahoo.de
Blog: http://schwester-aura.blogspot.com
Facebook-Profil: Aura Scortea Beneficia
Facebook-Gruppe: https://www.facebook.com/groups/326396467403735
Gayromeo: "Schwester_Aura"


Ψ Die E-Mail kam postwendend zurück, der Account wurde scheinbar abgeschaltet. Offenbar möchte Frau Reiche keine Rückmeldungen von BürgerInnen haben, was ich bedauerlich finde: Erst eine kontroverse Position vertreten und sich dann nicht mehr erreichbar machen!?! Schade eigentlich.

Ψ Um mal Klartext zu schreiben: Da stellt sich eine Politikerin hin und sagt: "Homos sind ne Gefahr für die Gesellschaft" - und mault dann, wenn eben diese Homos aufstehen und massiv dagegen protestieren? Wir leben immer noch in einer Gesellschaft der Meinungsfreiheit, Frau Reiche! Und wenn Sie uns erst ans Bein pinkeln und dann die Empörung darüber nicht aushalten, dann sollten Sie überdenken, ob Sie richtig in Ihrem Job sind. Denn: Politik soll FÜR Menschen erfolgen, nicht GEGEN Menschen!

[Bild-Quelle: Wikimedia Commons, Urheber Frank Bergmann]

Montag, 25. Juni 2012

»Berlin Bruisers« lilafizieren den CSD


Ψ Tja, liebe Mäuse, jetzt haben wir dann den Berliner CSD heil überstanden. Und was soll ich sagen: Es war einfach grandios!

Ψ Ich begleitete an diesem zurückliegenden Samstag das Team der »Berlin Bruisers«, der ersten schwulen Rugbymannschaft Deutschlands. Gemeinsam zogen wir als Fußgruppe im Zug der CSD-Parade mit, verteilten Flyer, warfen ein paar Bälle und hatten dabei eine absolut geile Zeit. Dabei trugen wir die Mannschaftsfarbe der Bruisers: Lila.
(... und ja, ich sah zauberhaft hübsch aus mit meinem farblich abgestimmten, malvenhaftfarbigen Schleier ... #grins)

Ψ Intelligenterweise hatte ich meine Digitalkamera zuhause vergessen (was für eine Schwester eigentlich echt doof ist) - trotzdem gibt es jede Menge Bilder im Internet, speziell auf Facebook:

• Bei Flickr unter http://www.flickr.com/photos/murdoch80/7431735226/in/photostream findet Ihr ein paar Bilder von den Bruisers.

• Es gibt eine Facebook-Gruppe der Rugbymannschaft (einfach nach »Berlin Bruisers« suchen oder hierdrauf klicken), dort sind jede Menge Bilder gepostet.

• Es gibt bei Vimeo ein Video, zusammengeschnitten aus Clips und Bildern (habe ich unten eingebettet).

• Zwei weitere kleine Videoclips findet Ihr bei YouTube unter http://youtu.be/0y3ZTDTexs0 und http://youtu.be/cONGlXx_aME.

• Auf Facebook hat Kai ein CSD-Album gepostet, in dem sich einige Bilder der Bruisers finden: hier.

Ψ Jetzt freue ich mich auf mein erstes Training mit den »harten Jungs« - ja, Eure Aura wird künftig Rugby spielen. In Männersportzivil natürlich, ohne Titten auf'm Kopf und ohne Weiß im Gesicht. Ob ich damit die erste Rugby spielende Nonne der Welt werde? Keine Ahnung. Kann schon sein. An sich egal - Hauptsache, ich kann ein paar Kerle in den Schlamm werfen ... ! :)

Berlin Bruisers @ CSD Berlin from patrick m. sheedy on Vimeo.

Freitag, 22. Juni 2012

Dann doch: CSD 2012

Ψ Eigentlich wollte ich am heutigen Samstag halb privat, halb beruflich nach Leipzig - ich wollte nicht manifestieren in der Berliner Prideweek und ich wollte das so auch genießen. Dann ist mir irgendwie die Wolle ausgegangen...

Ψ Tatsächlich sind eine Gruppe attraktiver, adretter und agiler Männer dafür verantwortlich, dass es mich dann doch gestern gepackt hat und ich beschloss, meine Titten (umgangssprachlich für: die Schwesternhaube) und einen farblich zu »meinen Jungs« passenden Schleier aus dem Schrank (»out of the closet«!) zu holen. Manifestationspause vorbei, jetzt wird wieder schwesterisiert!

Ψ Auf der heutigen CSD-Parade werdet Ihr mich dann schon sehen - ich bin die Schwester, die am meisten leckeres Testosteron (lecker verpackt in mauve-farbenen T-Shirts) um sich herum hat.

Ψ Bilder? Klaro, wird's geben. Jetzt aber schnell den Bart färben und den Schleier bügeln - soll doch alles hübsch sein für die CSD-Pride-Parade 2012 in Berlin ... :-)

Montag, 18. Juni 2012

Mein Stadtfest 2012

Ψ Es ist vorbei - das Stadtfest 2012, das zwanzigste seiner Art, mitten in der »Western Gay Area« Berlins. Den (durchaus aufwühlenden) Ereignissen der vergangenen Wochen und Monate Tribut zollend habe ich mich in diesem Jahr geschont und nicht als Schwester manifestiert (d.h. ich bin nicht in Habit und MakeUp in Erscheinung getreten). Statt dessen war ich am Samstag in Männerzivil in Schöneberg anzutreffen.

Ψ Die erste Hälfte des Tages war ich auf dem Stand des Berliner Fetischvereins BLF (Berlin Leder & Fetisch), bei dem ich (aufgrund meines Titels als »German Mr. Leather 2000«) Ehrenmitglied bin; ich hatte einen gedeckten Apfelkuchen gebacken und ich verbrachte die verregneten Stunden des Tages in der Gesellschaft meiner Clubkameraden.

Ψ Danach hatte ich Dienst beim Stand der Eurofaeries, den europäischen »Radical Faeries«; dort fungierte ich als »Schwanzorakel« und las den Standbesuchern mysteriöse (und mitunter auch gemütlich grottige) Sprüche aus dem weisen, wichtigen und selbstverständlich über jeden Zweifel erhabenen »Schwanzorakelbuch« vor.

Ψ Ich hatte viel Spaß auf dem Stadtfest 2012, wenn auch das Wetter eher suboptimal war. Es tat gut, ein Jahr mal nicht in Habit auf dem Straßenfest präsent zu sein. Trotzdem freue ich mich, wenn ich dort im nächsten Jahr mit einem prächtigen Ausgehstöffchen Schleier zeigen kann ... und wer weiß, vielleicht orakelige ich ja im nächsten Jahr in Schwesterntracht ... ? ;-)

Dienstag, 15. Mai 2012

Mein Leben

Ψ In letzter Zeit häuften sich mir gegenüber die Zurufe »Du hast ja gar kein Leben, Aura - such' Dir eine Beschäftigung und hör' auf, Schwester zu sein!«; diese eher nicht so gut gemeinte Aufforderung erhielt ich in den vergangenen Wochen dann doch öfter.

Ψ Meine hiermit öffentliche und für jedermensch lesbare Antwort lautet: »Vielen Dank für den Ratschlag. Ich habe ein Leben, ich habe meine Beschäftigung und ich bin von Herzen gern (und in meiner Gemeinde gern gesehen) Schwester.«

Ψ Ich hoffe sehr, dass diverse Menschen in der Zukunft davon absehen, über mich als Mensch und über mein (im übrigen vollkommen privates) Leben urteilen zu wollen, sondern mit mir gerne in Dialog über meine Schwesternarbeit treten.

Ψ Ach ja, und wen es interessiert: Aktuell geht es mir in meinem Leben sehr gut und ich fühle mich wohl mit den Dingen, die ich tue ... und eben dies wünsche ich jedem, der dies liest. :-)

Kein »Sicherer Samstag« in Berlin

Ψ In diesem Tagen habe ich mein Projekt »Sicherer Samstag« für mich innerlich beendet; jetzt ist es für mich Zeit, dies auch öffentlich(er) zu machen.

Ψ In den vergangenen Monaten gelang es nicht, ausreichend Partner und vor allem aktive Helfer zu gewinnen, um in der Schöneberger Gay Area an einen regelmässigen Abend in den Örtlichkeiten auf dem Kiez die zunehmende Problematik von Übergriffen und -fällen auf queere Menschen zum Thema zu machen. Daher ergibt es wenig Sinn, ein Projekt vorantreiben zu wollen, das mit den aktuellen Möglichkeiten nicht umsetzbar ist.

Ψ An dieser Stelle danke ich allen, die mir zu dem Projekt Rückmeldung gegeben haben und die im Herzen in dieser Sache bei mir waren bzw. sind.

Geldsammeln in Berlin

Ψ Aus gegebenem Anlass - einer Rückfrage bei mir und einer Rückfrage beim SPI Westfalen bezüglich meiner eventuell nicht statthaften Büchsensammeltätigkeit ohne einen eingetragenen Verein „im Rücken“ - möchte ich Euch wie folgt informieren:

- - - - -

Ψ Seit Ende 2003 ist die staatliche Aufsichtspflicht für Sammlungen entfallen. Mit dem „Ersten Gesetz zur Rechtsvereinfachung und Entbürokratisierung“ der Berliner Verwaltung ist das Sammlungsgesetz aufgehoben worden. Sammlungen können seitdem formlos erfolgen und es liegt im Vertrauen des Spenders, dass der Sammlungszweck eingehalten wird.

Ψ  In den zurückliegenden zehn Jahren wurden die Sammlungsgesetze in verschiedenen Bundesländern ersatzlos aufgehoben. Hierzu gehören Bayern, Berlin, Brandenburg, Bremen, Hamburg, Niedersachsen, Nordrhein-Westfalen, Sachsen-Anhalt und Schleswig-Holstein.

Ψ Dies bedeutet: Es gibt keine Vorschriften mehr, wie Geldsammlung zu erfolgen hat (z.B. nur mit eingetragenem Verein, Genehmigung durch Ordnungsamt bei Straßensammlung usw.).

Ψ  In Berlin kann jedermann für beliebige Zwecke sammeln kann, wie, wann und wo er will.

Ψ So auch ich.

- - - - -

Ψ Links zum Thema:

http://www.berlin.de/landespressestelle/archiv/2005/01/05/23140/
http://www.dzi.de/wp-content/pdfs_Spendentipps/Sammlungsgesetze.pdf
http://www.parlament-berlin.de/ados/BauWohnV/vorgang/0232.htm

- - - - -

Ψ Ich möchte mich bei allen Leuten, die sich Sorgen darüber machen, dass ich keinen juristischen Ärger bekomme, bedanken. Es ist gut zu wissen, dass Ihr wohlwollend an mich denkt.

Ψ Ansonsten möchte ich bitten, künftig nicht bei anderen Gruppen Erkundigungen ÜBER MICH einzuholen und ÜBER MICH Informationen zu verbreiten, sondern MIT MIR Kontakt aufzunehmen, wenn Fragen bestehen.Euch allen wünsche ich ein schönes Wochenende.

Yours in glitter

Sr. Aura