Freitag, 25. Februar 2011

Manifestation auf der POP Singleparty

Meine erste Manifestation als unabhängige Schwester in der Queeren Gemeinde Berlins führt mich heute Abend zur POP Singleparty ins Goya.

Ab 22 Uhr werde ich perpetuell indulgente Präsenz zeigen, den einsamen Herzen der Stadt mit schwesterlichem Rat zur Seite stehen und für Gespräche zur Verfügung stehen.

Ich freue mich schon sehr, dort spannender Leute zu treffen. Ach, das wird schöön!

Donnerstag, 24. Februar 2011

Unabhängigkeit

Es gibt schon die ersten, wilden Gerüchte. Daher: ja, ich habe den OSPI verlassen und werde fortan als unabhängige Schwester ohne Hauszugehörigkeit in Berlin für und in der Queeren Gemeinde wirken.

Dieser Schritt ist bedeutungsvoll, stellt er doch einen Meilenstein auf mein Weg dar. Doch ich will nach vorne und nicht nach hinten blicken. Über verschüttete Milch lohnt es nicht, zu klagen.

Statt dessen freue ich mich auf meine nächsten Manifestationen und Projekte.

Freitag, 21. Januar 2011

Fashionweek in Berlin

Irgendwie ist ja grade wieder Fashionweek in Berlin ... ein Event, der mich nun wirklich gar nicht interessiert. Als Schwester werde ich immer wieder einmal auch als Mode-Ikone gesehen, es ist ja quasi soo »Fashion«, was wir tun.

Göttin sei Dank ist dem nicht so. Wir folgen nicht wirklich ständig und durchgängig irgendwelchen Moderichtlinien oder stellen sie gar auf. Das mag zwar so wirken, tatsächlich aber nehmen wir als Habit (Ordensarbeitskleidung) einfach das, was wir (meist preiswert, gern second hand) kriegen können und was nicht ganz danach aussieht, als wäre eine russische Trümmerfrau auf der Flucht ... obwohl man bei meinen Klamotten ... naja, anyway ...

Jedenfalls keiren wir einen Style, wir designen keine Designermode und im Endeffekt dient unser Klamottenlook einfach nur einem unserer Hauptziele: universelle Lebensfreude zu verbreiten. Das klingt zwar nach Hippies, ist aber so. +lieblächel+

Donnerstag, 20. Januar 2011

Krankenhausbesucher

Wir Schwestern haben einen internationalen E-Mail-Verteiler - dort diskutieren wir international relevante Themen, beraten uns bzw. einander in Fragen unserer Gemeindearbeit, bitten einander um Energie (falls es uns oder den unsrigen nicht gut geht) oder informieren einander über aktuelle politische Entwicklungen in den jeweiligen Ländern.

So habe ich heute früh auch erfahren, dass auf eine Initiative von Präsident Obama hin jetzt eine neue Regelung an US-amerikanischen Krankenhäuser in Kraft tritt, wonach den Patienten jetzt die Entscheidung über die Besucher obliegt. Das war bislang nicht so, Krankenhäuser und Ärzte konnten einem Besucher, der nicht der leiblichen Familie des Kranken angehörte, den Besuch verweigern.

Die entsprechend Meldung findet Ihr bei ABC-News HIER.

Hierzulande hat meines Wissens nach der Patient volles Entscheidungsrecht, wer ihn besuchen darf bzw. soll, soweit er bei ordentlichem Bewusstsein ist. Für kritische Fälle ist in Deutschland eine Patientenverfügung nötig, um seine eigenen Interessen durchzusetzen.

Mittwoch, 19. Januar 2011

Sex ... bewusst genießen!

In einem Userprofil in den endlosen Weiten der schwulen Chatrooms habe ich einen Auszug aus der Wikipedia gefunden (Link: HIER):

Unter Sex versteht man die praktische Ausübung von Sexualität. Im allgemeinen Sprachgebrauch bezeichnet Sex sexuelle Handlungen zwischen zwei oder mehr Sexualpartnern, insbesondere den Geschlechtsverkehr und vergleichbare Sexualpraktiken, in seltenen Fällen auch die Masturbation.
Sex erfüllt zahlreiche verschiedene Funktionen: Er befriedigt die Libido, dient in Form des Geschlechtsverkehrs der Fortpflanzung und drückt als wichtige Form der sozialen Interaktion Gefühle der Zärtlichkeit, Zuneigung und Liebe aus. Besonders in Liebesbeziehungen kann das Sexualleben eine zentrale Rolle als Ausdruck der Verbundenheit der Partner spielen.
Sexuelle Handlungen unterliegen dem sexuellen Selbstbestimmungsrecht. Die Strafbarkeit bestimmter Praktiken dient heute weitgehend dem Schutz dieses Rechtsguts.
Sexueller Kontakt unter Tieren wird für gewöhnlich Begattung genannt. In der Regel handelt es sich dort um rein instinktgesteuertes Verhalten, das ausschließlich der Fortpflanzung dient. Bei einer Reihe von Arten, etwa den Bonobos und Delfinen, ist der Sex ähnlich wie beim Menschen auch Teil der sozialen Interaktion. Beim Menschen ist Sex kein reines Instinktverhalten mehr, sondern unterliegt bewussten Entscheidungsprozessen.

Gerade der letzte Satz ist wichtig, er enthält eine richtig bedeutsame Aussage. Es geht um bewusste Entscheidung.
Die Schwester der Perpetuellen Indulgenz werden hierzulande gern als moralisierendes HIV-Präventionsteam gesehen. Und natürlich leugnen die Schwestern weltweit überhaupt nicht die Dringlichkeit, aktiv etwas gegen HIV, Hepatitis und andere sexuell übertragbare Krankheiten zu unternehmen. Trotzdem stellen wir uns nicht mit einem erhobenen Zeigefinger vor die Gemeinde, um zu moralisieren.
Uns liegt vielmehr am Herzen, Sex auf die Grundlage bewusster Entscheidungen zu stellen. Wir vertreten die Ansicht: Sexualität sollte bewusst gelebte Lebensfreude sein.
Um bewusste Entscheidungen treffen zu können, sind Informationen hilfreich und sinnvoll. Es ist vorteilhaft, sich über Risiken beim Sex zu informieren, bevor man ihn hat - das betrifft übrigens übertragbare Krankheiten ebenso wie riskante sexuelle Praktiken.
Sex darf und soll bewusst genossen werden. Dafür stehen wir und dafür stehen wir Euch jederzeit mit Informationen zur Verfügung.

Dienstag, 18. Januar 2011

Grundlagenwissen HIV

Die Schwestern der Perpetuellen Indulgenz werden - trotzdem wir bereits 1979 (und damit vor der Entdeckung von AIDS) als karitative und bürgerrechtliche Initiative innerhalb der Queeren Bewegung begründet wurden - weltweit immer wieder mit HIV-Prävention in Verbindung gebracht. Aus guten Grund: mit unserem Wissen und unserer Erfahrungen erreichen wir die Gemeindemitglieder »direkt in der Situation«, zumeist im Nachtleben. Der Umgang mit dem Thema HIV / AIDS ist einer der Aspekte unserer Arbeit in der Community.

Deshalb weise ich gern darauf hin, dass am Mittwoch, 26. Januar 2011 um 19 Uhr eine Info-Veranstaltung der Reihe »Medizinische Reise« im Café PositHiv, Bülowstr. 6, 10783 Berlin Schöneberg stattfindet. Thema: »Grundlagenwissen HIV«, vorgetragen von Bernhard Bieniek. Zum Vortrag sind persönliche Fragen möglich, anschließend wird ein kleiner Imbiss gereicht.

Montag, 17. Januar 2011

Wer bin ich wirklich?

Die von mir hoch geschätzte Sängerin und Komponistin Annett Louisan sang für eine (grandios gefloppte) Telenovela auf Pro7: »Wer bin ich wirklich?«. An dieses Lied habe ich mich eben erinnert, als ich ein Posting auf Facebook las.

Als Schwester verliert man sich selbst gern zeitweise einmal. Es gibt so viel zu tun, so vielen Menschen zu helfen, so viel zu beachten. Wenn man dann plötzlich in eine emotional schwierige Situation kommt oder wenn man es übertreibt mit dem Helfen, ohne sich selbst zu pflegen, dann kommt gern einmal der Punkt, an dem man sich fragt, wer man eigentlich wirklich ist.

Die Frage betrifft in erster Linie unsere Identität - und die ist weder mono noch stereo, sondern (gerade heutzutage) Dolby 7.1: wir alle bestehen aus einer Vielzahl von Persönlichkeits-Facetten. Da ist zum Beispiel die »Ich steh meinen Mann«-Identität, die am Arbeitsplatz hochgeholt wird. Da ist die »Ich bin ein Teil meiner Familie«-Identität, wenn man Eltern und Geschwister sieht. Und da ist unsere »Ich bewege mich in Gesellschaft und bin trotzdem cool«-Identität, die aktiv ist, wenn wir beim Bäcker unsere Brötchen kaufen oder im Kaufhaus nach Schlüppern gucken.

Gerade in der Queeren Welt kommen gern mal »Ich hab allein und eh keine Chance, bei den Kerlen/Frauen zu landen«, manchmal auch »Ich bin geil, ich bin geil, ich bin geil« und mitunter »Was mache ich hier eigentlich?«.

Unser Coming Out ermöglicht es uns, eine schwule oder lesbische Identität zu entwickeln - ein Bewusstsein für die eigene emotionale Ausrichtung. Aber damit nicht genug: oft haben wir ein zweites oder gar drittes Coming Out, indem wir eine Fetischvorliebe entdecken (»Ich bin ein Lederkerl«) oder Schwester werden (»Ich will anderen helfen, Freude verbreiten und der Verbreitung stigmatisierender Schuld entgegenwirken ... und mag Glitzer und schlimme Klamotten«).

So viele Facetten unserer Identität. Und manchmal fragt man sich: »Wer bin ich wirklich?«. Dann überlegt man, ob man sich nicht verloren hat in diesem Labyrinth aus Rollen und Persönlichkeiten, in die man täglich schlüpft und die man täglich bedient. Da muss doch ein ursprüngliches, reines Ich sein, das noch unberührt ist von all den verwirrenden und komplexen Identitätsaspekten. Wenn wir das wiederfinden, dann sind wir gerettet und wissen wieder, wo wir hingehören?

Tatsächlich ist es so, dass es dieses »reine Ich« nur tief in uns drin als emotionalen Ur-Kern gibt. Nicht als bewusste Ur-Identität, sondern als Zentrum unseres Da-Seins. Verlieren können wir es selbst überhaupt nicht - und damit sind wir nie verloren. Aber wir können den Kontakt zu ihm verlieren und dann fühlen wir uns verwirrt und verloren.

Indem wir uns selbst pflegen - ob nun durch Meditation oder ein regelmässiges, zweistündiges Schaumbad - halten wir den Kontakt zu unserem Inneren. Dann gehen wir gestärkt durchs Leben und durch all unsere diversen Identitäten.

Manchmal, nur manchmal, denke ich mir ja: »Ich bin ein Star, holt mir hier raus!« ... ob das auch eine meiner Identität ist? ;-)